Marina hat scheiße gesagt!
---
Heute bin ich tief in die holländische Kultur eingetaucht. Okay, nur Kinderbecken-Tiefe, denn zugegeben ist die Ankunft von Sinterklaas eher was für Kinder.
---
Kurze Geschichtsstunde: Sinterklaas ist/war/soll sein der Bischof Nikolaus von Myra. Sein Helfer sind die zwarte pieten, die schwarzen Peter. Ansonsten recht einleuchtend: Geschenke, Schuhe, Schornstein, brav sein, unrasierter Bart u.s.w. Das Sinterklaasfest wird zwar erst am 5. Dezember gefiert, aber gehen wir mal davon aus, dass er noch Zeit zum Geschenke Einkaufen braucht, denn in Rotterdam kam heute an. Aus Spanien übrigens, nicht vom Nordpol. Macht auch Sinn, was sollte ein Bischof auch am Nordpol machen?!
---
Bevor Sinterklaas angeschippert kam, gabs eine Show für die Kinder. Auch ziemlich einleuchtend das Ganze: Ballons, Kinderwagen, Leitern, damit auch ja jeder was sieht, ein Kinderchor, der es nicht schafft die vier Erwachsenen auf der Bühne zu übertönen, Hunde, ein Sammelpunkt für verlorene Kinder und stolze bis genervte Eltern.
---
Als brave Europäer schäftigen sich die Holländer natürlich auch mit der Frage: Ist das Bild vom schwarzen Peter rassistisch?
---
Dafür spricht natürlich, dass die stark pigmentierten Kerle die Helfer vom alten weißen Mann sind.
---
Dagegen sprechen vor allem die Kinder. Oder besser, sie schreien dagegen, wenn sie eine Gruppe schwarzer Peter entdecken, fanatisch in ihre Richtung rennen und dabei "DE PIETEN!" brüllen. Dann bleiben sie mit scheuem Abstand stehen und winken überschwenglich. Sieht so Rassismus aus? Wohl eher nicht.
---
Die meisten Kinder sind außerdem verkleidet und eindeutig ist der zwarte Piet das beliebtere Kostüm. Verständlich, die Mütze und die Hose haben eindeutig mehr Style als ein Umhang.
---
Vor allem aber verteilen die Pieten Süßigkeiten und Süßigkeiten kennen keine ethisch-moralischen Grundsätze!
---
Bezahlt werden die Pieten für den Job aber trotzdem nicht. Die meisten sind Studenten an der Erasmus Uni und Mitglieder einer Bruderschaft und den Job als Pieten sehen sie als Möglichkeit "der Gemeinschaft etwas zurückzugeben".
---
Bis Sinterklaas endlich mit seinem Kahn und noch mehr Pieten anlegt, geht das Programm auf der Bühne weiter. Lieder aus Pop und Rock (wie I was made for loving you) und Religion (auch dieses bekannte jüdische Lied) werden von zarten Kinderstimmen gemurmelt und vond er Moderatorin und "Diskopiet" geschmettert. Ein bunter Kulturmix.
---
Neben Diskopiet in silbernem Kostüm war auch noch ein Saxofonpiet am Start und in der Menge habe ich einen Elvis entdeckt. Sinterklaas wurde begrüßt wie ein Popstar und ein Bus mit einer Pietenkapelle und anderen Musikern wartete darauf durch die Stadt zu ziehen.
---
Alles in allem eine unglaublich niedliche und liebenswerte Tradition. Klar, da bleibt diese ganze Rassismusdebatte, aber ernsthaft, wen interessiert das, wenn es Süßigkeiten gibt?!
---
Marina will Süßigkeiten!
![]() |
| Im Konfliktfall sind die Pieten in der Überzahl. |
