Umziehen stinkt schon irgendwie. Gewaltig! Es sind Abschiede und noch mehr Abschiede: Von Leuten, von Aktivitäten, von Orten… und nicht zuletzt von einem ganzen Leben.
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Irgendwie paradox: Wenn ich nach Hause komme und den Fernseher anmache, schreit mir eine enthusiastische Stimme entgegen: „Schicke Mann an die Nummer…“. Schön, dass wenigstens das immer bleibt und immer das Gleiche ist, egal wo man wohnt.
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Nach ein paar Wochen zuhause merke ich: es wird verdammt anstrengend werden, Kontakt zu halten und ja, es wird auch nicht immer gelingen. Das klingt fies und herzlos, aber es ist so. Man kann nicht jede Bekanntschaft und Gruppenzugehörigkeit pflegen ohne gemeinsame Erlebnisse. Und je mehr Leute ins Leben treten, desto weniger Zeit bleibt für jeden. Menschen kommen und gehen. Aber eigentlich gehen sie nicht wirklich, sie versickern langsam im sozialen Geflecht. Nicht aufgrund von Streit oder Missgunst, sondern einfach so.
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Ja klar, da gibt es Facebook und all die anderen fabelhaften Kommunikationswege des einundzwanzigsten Jahrhunderts, aber all das ist trotzdem anstrengend. Updates von allen lesen, Mails beantworten und chatten. Natürlich ist das gewissermaßen eine schöne Anstrengung, vor allem wenn man sie mit Joggen oder Hausarbeit schreiben vergleicht. Aber es ist nicht das spontane Treffen in der Stadt um Eis zu essen, oder die wöchentliche Ressortsitzung oder gemeinsame Geburtstagsfeiern und Clubnächte.
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Das macht mich traurig, möchte ich doch niemanden absichtlich aufgeben oder gar fallen lassen, aber ohne den selben Wohnort und ohne frühere Gemeinsamkeiten, werden sich einzelne Beziehungen und das soziale Gefleht als solches zwangsläufig verändern. Ich will das nicht und doch befürchte ich, dass es unvermeidbar ist. Das heißt nicht bye bye und auf nimmer wiedersehen, aber bye bye und bis zur nächsten Weihnachtsfeier oder Gruppentreffen.
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An einem vergangenen Leben zwanghaft festzuhalten, obwohl man es so nie wieder führen wird, ist wohl auch nicht eine wirkliche Alternative. Aber es war mein Leben oder ein Abschnitt oder eine Art davon, oder wie auch immer man es nennen mag, und es einfach mit einem Schulterzucken abzuspeichern und weiterzumachen, das ist auch nicht so einfach und spannend wie es klingt.
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Klar, da kommen immer wieder neue Stationen, ein aufregendes Leben, unterwegs sein, Neues erleben, Dinge ausprobieren. Aber auf einem gewissen Level: Immer alleine.
Es gibt ja diese schönen und salbungsvollen Sprüche, dass man seine Lieben immer im Herzen mit sich trägt und mit Sicherheit stimmt das auch, aber das ist eben immer nur die eine Komponente, das im Herzen tragen, das „halt mal kurz meine Handtasche, während ich meine Schuhe binde“ ist eine zwar viel banalere, aber nun mal die direkte Art des Tragens und vielleicht das, was die vielen Medienkritiker meinen, wenn sie sich beschweren, dass durch soziale Netzwerke der persönliche Kontakt kaputt geht.
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Und obwohl ich es besser weiß, denke ich immer noch, ich kann zurückgehen, zu meinem alten, nennen wir es mal das Bachelorleben. Es ist so präsent, so real – immer noch. Und nicht einfach wie ein Urlaub von dem ich erholt, satt und braun wiederkomme und von dem ich weiß, dass das eine einmalige kleine Auszeit war. Drei Jahre sind keine Auszeit, keine kleine Sache. Und ich hoffe, dass ich das immer noch sage, wenn ich im Rentenalter bin.
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Immer wieder neu anfangen, nirgends ganz gefestigt. Spannend ja, aufregend ja, aber nie ganz ohne Wehmut und nie ganz ohne Kompromisse. Bleibt mir zu hoffen, dass es nur kleine Zugeständnisse werden.
| Licht und Schatten |
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